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Andacht

Liebe Leserinnen und Leser,

irgendwie berührt mich dieses Bild auf der Titelseite des Gemeindebriefes, vor allem, weil Erinnerungen hochkommen: Ich erinnere mich, dass ich als Kind früher bei Wanderungen und Spaziergängen mit meinen Eltern oft gerne mit gehörigem Abstand hinterhergetrottet bin, weil ich da noch etwas entdeckt hatte und dort noch etwas gucken wollte. Irgendwann rief ich dann: Wartet doch! – Und natürlich warteten sie, nahmen mich an die Hand und es ging weiter.Wo genau der Weg hinführte, da hat man als Kind natürlich keinen Plan und vertraut darauf, dass die Eltern das schon wissen.

Und viele Jahre später wiederholte sich das Ganze mit unseren Kindern: jetzt war ich der Große, der die Kleinen an die Hand nahm und dem das Vertrauen (zumindest meistens J) entgegengebracht wurde, dass er den richtigen Weg kenne. Und wenn die Kinder nicht mehr konnten, waren da noch ein Keks oder ein Gummibärchen im Rucksack, die neue Energie brachten.

Bei einer Wanderung zum Ungeheuersee hatten meine Frau und ich doch tatsächlich etwas die Orientierung verloren und ein kleiner Sonntagsspaziergang mit unseren noch kleinen Kindern ohne Kinderwagen geriet zu einer 6 km-Wanderung (einfach!). Nur eine Packung „Russisch Brot“, eine Flasche Wasser und die Hand konnten sie überzeugen, weiterzugehen – und anzukommen.

Wie gut, wenn mich jemand an die Hand nimmt!

Der Engel des Herrn rührte Elia an und sprach: Steh auf und iss! Denn du hast einen weiten Weg vor dir! (1. Könige 19,7) – so lautet der Monatsspruch für diesen Juli.

Dem Propheten Elia ist es ganz ähnlich ergangen. Er war einsam, verlassen, bedroht von einer wütenden Königin, mitten in der Wüste. Im 1. Königebuch kann man seine Geschichte nachlesen. Er war mit seiner Kraft und mit seinem Leben am Ende dort in der Wüste! Er gab auf, wollte nicht mehr weiter.  Doch Gott hatte andere Pläne. Ein Engel des Herrn weckte Elia aus seinem Schlaf und forderte ihn auf: „Steh auf und iss!“ Er fand einen Krug Wasser und er fand Brot und er fand Ruhe, um sich aus seiner Erschöpfung zu erholen. Zwei Mal kam der Engel.  Dann konnte Elia mit neuem Mut und neuer Kraft den Weg Gottes weitergehen und die Aufgaben seines Lebens annehmen.

Es wird nicht erzählt, dass der Engel Elia an die Hand genommen hätte, aber was Elia durch den Engel von Gott erfährt, ist eigentlich genau das: Du bist nicht allein. Ich kenne den Weg. Ich gebe dir Kraft. – Ich gebe dir meine Hand.

Wie gut, wenn mich jemand an die Hand nimmt – in den Krisen meines Lebens, in den Problemen unserer Zeit, bei der Wanderung auf dem Lebensweg. Vielleicht wünscht sich da der eine oder die andere, einfach noch mal Kind zu sein und eine Hand einfach so voll Vertrauen nehmen zu können – und alles wird gut.

So einfach ist es meistens nicht. Manchmal ist der Weg auch ziemlich lang. Doch Gott ist auf dem Weg dabei. Er schaut nicht einfach nur zu, wie wir uns abmühen, sondern schickt uns seine Engel, schickt uns seine Kräfte, dass wir neu zu Kräften kommen können für den Weg, der vor uns liegt.

Einen gesegneten Weg wünscht Ihnen

Oliver Jaehn, Pfr.

Osterandacht

Ich sprach zum Baum: „Erzähl mir von Gott.“

Und er blühte.

Liebe Leserinnen und Leser,

dieser Text des indischen Schriftstellers Rabindranat Tagore stand dieser Tage in meinem Fastenkalender. Unter dem Motto „Zuversicht – 7 Wochen ohne Pessimismus“ begleitet mich der Kalender durch die Fastenzeit. Ehrlich gesagt: „7 Wochen ohne Pessimismus“ ist nicht ganz einfach umzusetzen in diesen Tagen. Das Corona-Virus hat unseren persönlichen Alltag, unsere Gesellschaft und das Weltgeschehen im Griff - so scheint es. Und es ist nicht gut.

Und doch feiern wir Ostern. Denn Ostern fällt natürlich nicht aus! Wir werden es nur dieses Jahr anders feiern als sonst:

Bei uns in Eppstein und Flomersheim wird es kein Frühgottesdienst in der vollen Stephanuskirche geben mit anschließendem Osterfrühstück; kein Liedruf „Christ ist erstanden“, der die Kirche erfüllt; kein Geläut von der Eppsteiner Christuskirche, weil die Firma, die mit der Sanierung des Glockenstuhls beauftragt ist, im Elsass ihren Nebensitz hat und viele Arbeiter und Material nicht über die Grenze kommen.

Ostern fällt nicht aus. Natürlich nicht! Und doch ist es anders.

Ich sprach zum Baum: „Erzähl mir von Gott.“ - Und er blühte.

Klar, weil das die Sprache des Baumes ist, mit der er von uns von Gott und von Ostern erzählen kann. Aus der dürren Kälte des Winters erwacht neues Leben.

Wenn wir aufgefordert würden: „Erzähl mir von Gott“ – was würden wir als Osterbotschaft erzählen können? Ich möchte Ihnen davon erzählen:

Ich erzähle, wie Menschen in unseren Gemeinden allabendlich eine Kerze ins Fenster stellen und beten. Dazu hatte ich per E-Mail und Internet eingeladen, dem großen Medium dieser Tage. Und ich habe viele Rückmeldungen bekommen: Manche sind dankbar für vorformulierte Gebete, in die sie einstimmen können; manche passen den Ablauf mit Lied, Gebet und Vaterunser so an, dass auch Kinder mitsingen und -beten können; andere sprechen ein stilles Vaterunser.

Welch eine große Gebetsgemeinschaft. Und wer es mal vergisst oder an einem Abend nicht mitmacht: nicht schlimm. Wir anderen beten für ihn und sie ja mit.

Not lehrt nicht unbedingt beten, aber das Beten zeigt uns, dass wir nicht alleine sind, sondern mit Gott und mit vielen anderen Menschen verbunden sind. – Beten lässt uns Aufblühen: das ist Ostern.

Beten Sie doch mit uns, wenn Sie es noch nicht tun. Jeden Tag um 19.00 Uhr beim Klang der Glocken.

Ich erzähle von den Regenbögen, die ich bei Spaziergängen durch unsere Orte in den Fenstern gesehen habe. Als Zeichen der Hoffnung.

Hatte Gott nicht am Ende der Sintflut zugesagt: So eine Flut, so eine Vernichtung der Menschheit soll es nie wieder geben? – Und jetzt das?

Die Bilder erinnern mich – und vielleicht auch Gott – an dieses göttliche Versprechen und die Hoffnung, die uns mit jedem Regenbogen lachend, farbig, lebendig entgegenstrahlt, wunderschön und vielfältig.

Bei manchem Regenbogen steht darüber: „Alles wird gut!“ – Da musste ich schlucken: Alles wird gut? – Das ist ein Versprechen Gottes für das Ende unserer Tage hier zwischen Himmel und Erde. – Jetzt aber erleben wir, dass Menschen krank werden, dass Menschen sterben, dass Menschen an Einsamkeit verzweifeln, dass Menschen arbeitslos werden, Betriebe vielleicht schließen müssen und viele eine Rezession in unserem Land und weltweit befürchten. Wie wird es weitergehen? Mit Schrecken sehen wir auch die Entwicklung der Virus-Infektionen in Ländern und Regionen, die nicht ausreichend darauf eigestellt sind. – Das alles ist eben nicht gut! Und wird vielleicht auch so schnell nicht gut.

Aber letztlich erinnert der vollmundige Satz dann doch an die österliche Hoffnung, die uns als Christen mitgegeben ist: Gott hat das letzte Wort und das heißt „Liebe“.

Danke an alle Malerinnen und Maler, die das für uns an ihren Fenstern aufblühen lassen! - Wir werden unseren Schaukasten in der Dürkheimer Straße gegenüber der Flomersheimer Apotheke mit Regenbogen-Bildern bestücken, die Kinderkirchen-Kinder für uns gestaltet haben.

 

Ich erzähle von der Hilfsbereitschaft, die unter uns aufblüht. Viele Aktionen, durch die Menschen mit Distanz aufeinander achten und einander helfen, z.B. beim Einkaufen, mit einem ganz altmodischen Brief oder dann doch per Mail, den sozialen Netzwerken oder einem Telefonat, mit dem man zeigt: Ich bin jetzt zwar nicht bei dir, aber ich bin dir nahe!

Danke an alle, die die Nächstenliebe aufblühen lassen und zeigen, wie stark sie uns – ganz im Sinne Jesu - verbindet.

Ich erzähle von meinem Lieblingspsalm: Psalm 121. In der Lutherbibel ist er überschrieben: „Der treue Menschenhüter“

Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen. / Woher kommt mir Hilfe?

Meine Hilfe kommt vom Herrn, / der Himmel und Erde gemacht hat.

Er wird deinen Fuß nicht gleiten lassen, / und der dich behütet, schläft nicht.

Siehe, der Hüter Israels / schläft noch schlummert nicht.

Der Herr behütet dich;/ der Herr ist dein Schatten über deiner rechten Hand,

dass dich des Tages die Sonne nicht steche / noch der Mond des Nachts.

Der Herr behüte dich vor allem Übel, / er behüte deine Seele.

Der Herr behüte deinen Ausgang und Eingang / von nun an bis in Ewigkeit!

Oder ich erzähle von unserem Trauspruch (1. Brief an Timotheus 1,7):

Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht,

sondern der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit.

Das sind Worte, an denen ich mich festhalten kann und die mir Kraft geben.

Gibt es für Sie auch solche biblischen Worte, mit denen die Kraft des Heiligen Geistes in Ihnen aufblüht? Lesen Sie doch mal in der Bibel nach.

Und ich erzähle von der Osterkerze in unserer Kirche. Auch dieses Jahr bekommen wir sie als Geschenk der katholischen Schwestergemeinde.

Als Pfarrer Stefan Mühl sie vor ein paar Tagen im Pfarramt vorbeibrachte, übergab er sie uns in einem langen Karton aus 1,50 Meter Abstand – also genau der vorgegebenen Abstandslänge, die wir einhalten sollen. Das hat bei uns die Redewendung geprägt: „Wir halten eine Osterkerzenlänge Abstand!“ – Hört sich das nicht viel besser an als „Mit rot-weiß markiertem Klebeband markierter Sicherheitsabstand“?

Wir halten eine Osterkerzenlänge Abstand im Bewusstsein, dass das Licht von Ostern uns verbindet.

Auf dem Bild sehen Sie: In der Eppsteiner Kirche brennt noch die alte Osterkerze und die neue Osterkerze 2020 steht bereit: Wir werden sie – genauso wie in Flomersheim -  nicht am 12. April entzünden, sondern im ersten Gottesdienst, den wir dann wieder zusammen feiern können. – Zu diesem Osterlicht lade ich Sie schon jetzt herzlich ein. Über die Presse werden Sie erfahren, wann und wie das sein wird.

Am 12. April ist Ostern. – Jesus Christus spricht: „Ich lebe und ihr sollt auch leben.“ (Johannesevangelium 14,19).

Bei allen bedrängenden Gefühlen in diesen Tagen: ich lade Sie ein, mit stillen Herzen zu lauschen, was wir uns gegenseitig von Gott und von Ostern erzählen können.

Bleiben Sie behütet!

Und: Frohe, gesegnete Ostern!  

Ihr Oliver Jaehn, Pfr